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Aktuell

Wir platzen aus allen Nähten

Der aktuelle Standort der Feuerwehr Stadt Luzern platzt aus allen Nähten. Die Fahrzeughalle gleicht einem Rangierbahnhof, keine ideale Voraussetzung um Leben zu retten und Brände zu löschen. Feuerwehrkommandant Theo Honermann gibt im Gespräch Auskunft über das neue Sicherheits- und Dienstleistungszentrum auf dem ewl Areal und wagt einen Blick in die Zukunft.

Die Feuerwehr Stadt Luzern bekommt in der geplanten ewl Arealüberbauung mehr Fläche. Wieso benötigt die Feuerwehr Stadt Luzern überhaupt mehr Platz?

Das aktuelle Gebäude an der Kleinmattstrasse wurde nie als Feuerwehrgebäude konzipiert. Es handelt sich um eine Umnutzung eines alten Tramdepots. Zudem hat sich die Feuerwehr über die Jahrzehnte in den Aufgaben, in der Organisation und bei den Fahrzeugen und Gerätschaften stark weiterentwickelt. Die heutige Nutzungsfläche ist längst nicht mehr zeitgemäss und entspricht nicht den Bedürfnissen und Prozessen einer modernen Berufs- und Milizfeuerwehr. Zum einen platzen wir aus allen Nähten, müssen die Fahrzeuge rangieren und können die vorgeschriebenen Normwerte für die Stellplätze der Fahrzeuge nicht einhalten – dies obwohl unser Fahrzeugbestand seit längerem auf einem gleichbleibenden Niveau ist. In der Fahrzeughalle stehen aber nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Einsatzmaterial, Anhänger und vorbeladene Module. Sie sind für unsere Prozesse und ein schnelles Ausrücken im Alarmfall wichtig. Zum anderen möchten wir unserer Berufsfeuerwehr adäquate und zweckmässige Schlaf- und Aufenthaltsräume bieten können. Eine achtköpfige Dienstgruppe ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche in der Feuerwache während ihren Arbeits- und Schlafenszeiten in ständiger Einsatzbereitschaft, beziehungsweise draussen an einem der jährlich über 600 Notfall- oder 200 nicht alarmmässigen Einsätze.

2026 soll die Feuerwehr Stadt Luzern ihr neues Quartier auf dem neugebauten ewl Areal beziehen. Das Siegerprojekt «Rotpol» ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Städtebau, Verdichtung und Ökologie. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Ich teile diese Aussage voll und ganz. Ich bin kein Experte bezüglich den anspruchsvollen Fachfragen, die mit einem derartigen Projekt verbunden sind, habe aber gesehen, wie kompetent und professionell alle Beteiligten daran gearbeitet haben. Daher bin ich der Meinung, dass das Siegerprojekt die Vielzahl der unterschiedlichsten Anforderungen berücksichtigt und die Gesamtkonzeption somit stimmig ist. Das kam auch beim einstimmigen Jury-Entscheid und den Nutzerbewertungen sehr deutlich zum Ausdruck. Alle Nutzer sind von diesem Projekt und wie es die heutigen und künftigen Bedürfnisse abdeckt sehr überzeugt.

Im Projekt sollen gemeinnütziger Wohnungsbau, Arbeiten, Sicherheit und Freizeit nebeneinander Platz finden. Die Planung eines solchen Vorhabens ist sicher nicht ganz einfach, da viele Interessensgruppen aufeinandertreffen. Um diese Interessen aufeinander abzustimmen wurde eine Projektgruppe gegründet. Auch die Feuerwehr Stadt Luzern war in dieser Projektgruppe vertreten. Wie haben Sie die Mitarbeit im Projektteam empfunden?

Dass alle Beteiligten ihre Bedürfnisse einbringen können, ist natürlich nicht ganz einfach. Logischerweise haben auch nicht alle Interessen dasselbe Gewicht. Nichtsdestotrotz werden sämtliche Anliegen angehört und ernst genommen. Respekt und Interesse an den Anliegen anderer Nutzer ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei einem solchen Projekt. Man merkte schnell, dass alle Beteiligten viel Wert auf eine gute Zusammenarbeit legen und wir am selben Strick ziehen. Das schliesst auch die externen Partner mit ein. Ich glaube, dieses Projekt ist mittlerweile für alle Beteiligten zu einer Herzensangelegenheit geworden.

Konnten Sie sämtliche Bedürfnisse der Feuerwehr einbringen?

Ja, dank unserer frühzeitigen und sorgfältigen Planung ist es uns gelungen, alle Anliegen einzubringen. Wir wurden dabei von sehr erfahrenen und kompetenten Fachleuten im Bau von Feuerwachen unterstützt. Natürlich haben wir auch andere Feuerwachen angeschaut, um davon zu lernen. Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Anforderungen bedarfsgerecht, zukunftsorientiert, ohne unnötige Reserven und trotz der langen Planungsdauer ohne dauernde Änderungen festgelegt sind. Ich erlebe, dass die Bedürfnisse der Feuerwehr auf viel Akzeptanz und Verständnis stossen. Wir geniessen grosses Vertrauen beim Luzerner Stadtrat. Auch mit dem Feuerwehrinspektorat und der Finanzdirektion besteht ein guter Austausch. Selbstverständlich müssen wir trotzdem zu allem Rede und Antwort stehen. Dazu gehören auch Vergleiche mit anderen Feuerwachen und Hinweise auf Vorgaben durch Vorschriften und Normen.

Derzeit befindet sich die Feuerwache Kleinmatt in einem Wohnquartier. Das Verhältnis zur Nachbarschaft ist zwar gut, dennoch kommt es hin und wieder zu Reibereien. Auch auf dem neuen Areal sollen letztlich verschiedenste Personengruppe Seite an Seite leben – unter anderem auch Betagte, die vielleicht mehr Ruhe wünschen. Sind da Konflikte mit der Feuerwehr nicht vorprogrammiert?

Nein, das sehe ich nicht so. Auf dem ewl Areal entsteht Wohnraum in der Stadt. Viele Leute, durchaus auch Ältere und Betagte, schätzen eine Lage der kurzen Wege und mit belebter Nachbarschaft.

Natürlich muss dabei der Lärmschutz berücksichtigt sein. Dies geschieht zum Beispiel durch die Anordnung der Wohnungen und den öffentlichen Aufenthaltsflächen. Auch gibt es erhöhte Anforderungen an die Baumaterialien. Gegenüber unserem heutigen Standort gibt es beim Projekt «Rotpol» wesentliche Verbesserungen beim Lärmschutz. So kann die Retablierung nach Einsätzen und Übungen in der neuen Feuerwache im Gebäudeinnern vorgenommen werden – und muss nicht mehr teilweise vor den Toren im Freien erfolgen. Darüber hinaus erlauben die wenig verkehrsbelastete Ausfahrt auf die Fruttstrasse und die direkte Steuerung der Lichtsignalanlage bei der Langensandbrücke im Alarmfall ein zügiges Ausfahren aus der Feuer- und Rettungswache – ohne ständiges Einschalten des Wechselklanghorns. Natürlich bedingt es trotz all diesen Verbesserungen und Massnahmen auch am neuen Standort ein respektvolles und tolerantes Miteinander. Ich bin überzeugt, dass uns dies gut gelingen wird.

Gibt es im Hinblick auf die Feuerwehr der Stadt Luzern noch offene, kritische Punkte zur Arealüberbauung?

Für die Feuerwehr ist sehr wichtig, dass der Neubau im Jahr 2026 bezogen werden kann. Verzögerungen wären kritisch, da die heutige Feuerwache an der Kleinmattstrasse ihre Lebensdauer überschritten hat – und damit auch unsere Einsatzbereitschaft gefährdet. Es gibt öfters Schäden am Gebäude, die repariert werden müssen. Ausserdem ist es auch nicht erdbebensicher. Es wäre nicht nachhaltig, weiter in dieses Gebäude zu investieren. Die Räumlichkeiten und deren Anordnung sind nicht für die heutige Organisation mit einer Berufsfeuerwehr, die bestehenden Einsatzmittel, Abläufe und Prozesse ausgelegt.

Kritisch sind derzeit auch die Fragen um die Finanzierung der höheren Mietkosten am neuen Standort. Es liegt auf der Hand, dass der Neubau deutlich mehr kostet als die heutige, veraltete Gebäudeinfrastruktur. Ich bin jedoch optimistisch, dass hier eine gute Lösung gefunden wird.

Wie sieht es mit den Vorteilen aus?

Es ist eine moderne Feuerwache geplant, die den heutigen und künftigen Anforderungen gerecht wird und eine effiziente Auftragserfüllung erlaubt. Wir können das Material, welches in den Magazinen Maihof und Würzenbach gelagert ist, in der neuen Feuerwache unterbringen und diese Standorte für das Ein- und Ausrücken von Milizfeuerwehrleuten nutzen. Dies unterstützt die veränderte Mobilität unserer Feuerwehrleute. Nicht zuletzt werden durch die räumliche Nähe zu den beteiligten Partnerorganisationen Synergien geschaffen, welche die Zusammenarbeit künftig erleichtern und verbessern. Es gibt noch viele weitere Vorteile, aber das Wichtigste ist, dass die neue Feuerwache die Weiterentwicklung der Feuerwehr über die nächsten Jahrzehnte hinaus ermöglicht. Es wird ein Bau sein, der die Erfüllung der Sicherheitsbedürfnisse der Stadt Luzern bis weit in die Zukunft sehr gut sicherstellt.

Welches sind die nächsten Herausforderungen, die für die Feuerwehr von besonderer Bedeutung sein werden?

Das sind einige… Zunächst muss geklärt werden, ob unsere Partnerorganisationen Rettungsdienst, Polizei und Zivilschutz definitiv bei der Realisierung des Projekts dabei sind, was ich natürlich sehr hoffe. Mit dem Ergebnis der Gesamtleistungsstudie und der Wahl des Siegerprojekts steht nun eine ausgezeichnete Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Unsere potenziellen Partner sind nun im Besitz einer detaillierten und fundierten Grundlage inklusive Kosten, um in einem nächsten Schritt den definitiven Entscheid zu fällen. Zudem sind wir aktuell an der Klärung der Finanzierung der Mietkosten und was der zusätzliche Mieterausbau für die Feuerwehr kostet. Die Spezialfinanzierung der Feuerwehr ist selbstverständlich nicht für das Tragen von solchen Baukosten ausgelegt. Hier braucht es zusätzliche Beiträge. Zudem muss der Austausch mit den Interessensvertretern und Quartierbewohnern intensiviert werden. Auch der Dialog mit dem Siegerteam wird nun noch enger. Das Projekt muss ja die nächsten Phasen – Gestaltungsplan und Baubewilligung – erfolgreich meistern.

Nach der öffentlichen Vorstellung des Siegerprojekts kam seitens mehrerer Interessensgruppen Kritik am Projekt und der notwendigen Anpassung der Bau- und Zonenordnung auf. Wie stehen Sie dazu?

Hier zähle ich auf einen sachlichen und konstruktiven Dialog, denn es wurde sehr intensiv, sorgfältig und überlegt am Siegerprojekt gearbeitet. Das Parlament wurde von Anfang an in die geplante Entwicklung des ewl Areals einbezogen und die politischen Forderungen wurden aufgenommen. Dennoch gilt es, Optimierungsbedarf zu identifizieren. Für die einmalige Chance, ein wegweisendes Sicherheits- und Dienstleistungszentrum realisieren zu können, lohnt sich das grosse Engagement – mit viel Realitätssinn und Optimismus.

Das Gespräch wurde von Andrea Zimmermann, Dokumentationsdienst Feuerwehr Stadt Luzern aufgezeichnet und von Petra Arnold, ewl energie wasser luzern in Abstimmung mit der Feuerwehr Stadt Luzern ergänzt.